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Appell des Monats -Januar 2012

CHINA - Selbstopferungen in Tibet

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Schicken Sie Ihren Brief an WEN Jiabao, Premierminister

Fax : 00 86 10 65 96 11 09

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Schreiben vor dem 31. Januar 2012

Am 3. November 2011 hat sich Palden Choetso, eine 35-jährige tibetische Nonne, vor ihrem Kloster in Tawu in Osttibet (in der chinesischen Provinz Sichuan) mit Benzin übergossen und selbst verbrannt.

Seit März dieses Jahres haben mindestens 13 tibetische Nonnen, Mönche oder ehemalige Mönche auf diese Weise ihre Verzweiflung über die zunehmend stärkere Repression vonseiten der chinesischen Behörden gegen ihr Volk zum Ausdruck gebracht. Sieben von ihnen, darunter Palden Choetso, sind dabei gestorben. Andere wurden festgenommen, weggebracht und ihr derzeitiger gesundheitlicher Zustand ist unbekannt.

Die Selbstverbrennung ist für die Tibeter ein fürchterliches Opfer, durch das das Ausmaß ihrer Verzweiflung deutlich wird, denn ihr Glaube lehrt sie, dass der Selbstmord verheerende Folgen für den Kreislauf der Reinkarnationen hat und sie 500 Leben zurückversetzen kann.

Die chinesische Regierung muss die Ursachen dieser Protestaktionen angehen anstatt auf noch härtere Maßnahmen zurückzugreifen, die zu einer Vielzahl von Festnahmen, Inhaftierungen bis hin zu Tötungen durch die Sicherheitskräfte führen. Unter den Festgenommenen befinden sich 300 Mönche des Klosters Kirti, die den Behörden zufolge in ein Programm der „patriotischen Umerziehung“ geschickt wurden.

Die zwangsweise politische Indoktrinierung, der die tibetischen Nonnen und Mönche im Rahmen dieser Programme unterworfen sind, beeinträchtigt zutiefst ihre Freiheit der Meinungsäußerung und die freie Ausübung ihrer Religion. Sie geht einher mit einer enormen Präsenz an Sicherheitskräften in religiösen Einrichtungen und ihrer Umgebung, eine wahre Belagerung um die Klöster. Die mit Maschinengewehren bewaffneten chinesischen Soldaten schlagen die Mönche und lassen sie gewaltsam verschwinden und töten die älteren Menschen, die diese verteidigen. Der Zugang zur Region ist erheblich eingeschränkt, um eine umfassende Untersuchung des Ausmaßes der Menschenrechtsverletzungen zu verhindern.

Diesen repressiven Maßnahmen, die die Grundfreiheiten der Tibeter beschränken, vor allem ihr Recht, ihre Religion zu praktizieren und ihre kulturellen Rechte wahrzunehmen, Rechte, die übrigens in der Verfassung der Volksrepublik China festgeschrieben sind, muss ein Ende gesetzt werden. Die chinesische Regierung muss unbedingt den schon seit so vielen Jahren vom Dalai Lama vorgeschlagenen Dialog annehmen und schließlich den Ansuchen der Tibeter Gehör schenken.

Übersetzung des Briefes

Sehr geehrter Herr Premierminister,

durch die Menschenrechtsorganisation ACAT (Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter) in Luxemburg habe ich davon erfahren, dass alarmierend viele tibetische Nonnen, Mönche oder ehemalige Mönche im Gebiet Ngaba (Provinz Sichuan) sich in den vergangenen Monaten verbrannt haben. Mindestens sieben von ihnen sind vermutlich gestorben. Andere wurden von Angehörigen der Sicherheitskräfte weggebracht, und es ist unbekannt, wie ihr derzeitiger Zustand ist und wo sie sich befinden.

Diese Selbstopfer werden zwar im Buddhismus nicht gebilligt, sind aber der verzweifelte Versuch, auf die dramatische Menschenrechtslage der Tibeter aufmerksam zu machen, insbesondere auf die erheblichen Beschränkungen der Religionsfreiheit in tibetischen Klöstern. Nach den Protesten vom März 2008 wurden im gesamten tibetischen Hochland sehr harte Strafmaßnahmen aus Sicherheitsgründen getroffen, und dazu gehörten einschüchternde Übergriffe der Ordnungskräfte auf Klöster, die willkürliche Inhaftierung von Mönchen, die starke Präsenz der Sicherheitskräfte in religiösen Einrichtungen und ihrer Umgebung und die zwangsweise politische Indoktrinierung von Nonnen und Mönchen. Diese Maßnahmen wurden als Reaktion auf die derzeitige Welle von Verzweiflungs-Protestaktionen noch verschärft, was den Unmut und die Verzweiflung bei den Tibetern weiter verstärkt hat.

Hiermit appelliere ich an die chinesische Regierung, diese Maßnahmen zu beenden, die Religionsfreiheit der Tibeter, die in Artikel 36 der Verfassung der Volksrepublik China verankert ist, zu achten und einen sinnvollen Dialog mit der Gemeinschaft der Tibeter über deren seit langem bestehende Klagen und Anliegen in Sachen Menschenrechte zu führen. Im Einzelnen ersuche ich Sie dringend darum,

• Informationen über die Aufenthaltsorte und den Zustand der tibetischen Mönche und Nonnen abzugeben, die versucht haben, sich zu verbrennen, und von Sicherheitskräften weggeschafft wurden;
• Informationen über alle übrigen Mönche abzugeben, die im Jahr 2011 inhaftiert wurden, auch über die 300 Mönche des Klosters Kirti;
• der starken Präsenz von Sicherheitskräften in Klöstern und ihrer Umgebung sowie der Praxis, Mönche zu „patriotischer Erziehung“ zu zwingen, ein Ende zu bereiten;
• eine unabhängige Beobachtung der Menschenrechtslage in den tibetischen Gebieten der Volksrepublik China durch Sonderinstitutionen der Vereinten Nationen zuzulassen.

Ich danke Ihnen dafür, dass Sie meinem Appell Rechnung tragen.

Mit vorzüglicher Hochachtung

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